| "Eine Messe wie die K-Düsseldorf trägt maßgeblich dazu bei, Deutschland als Standort für die Kunststoff- und Kautschuk-Industrie weiter zu stärken." |
Ausführungen von Ulrich Reifenhäuser,
Vorsitzender des Ausstellerbeirates der K 2004,
anlässlich der Pressekonferenz
am 12. Oktober 2004 in Düsseldorf
Kunststoffe und die Kunststoffindustrie genießen heute in der öffentlichen Meinung eine Sympathie, die vor einem Jahrzehnt noch für undenkbar gehalten wurde. In einer Repräsentativbefragung, die der Verband der Kunststofferzeuger Anfang dieses Jahres durchführte, beurteilen drei von vier Deutschen den Werkstoff positiv - und das gilt auch für junge Leute. In der Gruppe der Entscheider sind es sogar rund vier von fünf Befragten, die sich positiv zu Kunststoff äußern. Kunststoff gilt als das Material des 21. Jahrhunderts, eine ganze Reihe von Argumenten spricht für seinen Einsatz, u.a. das günstige Preis-Leistungsverhältnis und die überaus variablen technischen Eigenschaften. Sowohl unsere gesamte Infrastruktur als auch alle wichtigen Zukunftstechnologien kommen ohne Kunststoffe nicht aus.
Einige Beispiele:
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Kunststoffe sind Träger moderner und zukünftiger Infrastruktur. In der Versorgung mit Wasser und der Abwasserentsorgung, in der Energieversorgung, in sämtlichen Kommunikationsstrukturen - überall sind Kunststoffe nicht nur unverzichtbar, vielfach bieten sie sogar längere Haltbarkeit und größere Sicherheit als konventionelle Werkstoffe und sind die Voraussetzung für Effizienz und Nachhaltigkeit.
Kunststoffe sind Träger ökologisch verträglicher und wirtschaftlicher Mobilität. Flugzeuge ohne Kunststoffe in Struktur und Innenausstattung könnten überhaupt nicht mehr abheben: Leichtbau spart Treibstoff. Moderne Straßenfahrzeuge bieten bei geringerem Kraftstoffverbrauch mehr Leistung und Komfort: ohne Kunststoffe ein undenkbarer Fortschritt. Gleiches gilt für Schienenfahrzeuge: mehr Komfort und weniger Gewicht durch Kunststoff.
Kunststoffe sind Träger des medizinischen Fortschritts. Biochips für die Diagnostik, Probenbehälter für die Analytik, Mikropumpen für die Medikation, Implantate für die Therapie - beim Arzt, im Krankenhaus und in der Nachsorge geht nichts mehr ohne Kunststoffe.
Kunststoffe sind Träger der Entwicklung von Sportgeräten, Freizeitgestaltung und Wellness-Aktivitäten. Equipment für Trendsportarten, Sportschuhe, Fahrrad, Spielgeräte sind ohne Kunststoffe nicht mehr denkbar.
Nicht zuletzt tragen Kunststoffe ganz wesentlich zum nachhaltigen Wirtschaften bei. Sie reduzieren den Treibstoff- und Kraftstoffverbrauch bei Verkehrsmitteln und isolieren Gebäude - dabei sparen sie weit mehr fossile Energieträger ein, als zu ihrer Herstellung aufgewendet werden. Hier liegt immer noch ein großes ungenutztes Potenzial für Kunststoffe.
Die Kunststoffindustrie ist eine global operierende Industrie, die sich auf quantitatives und qualitatives Wachstum stützt.
Das große quantitative Wachstum liegt in der Zunahme der Bevölkerung, im weltweit zunehmenden Konsum und in den großen Infrastrukturaufgaben begründet, die in weiten Teilen der Erde noch zu lösen sind. Das beträchtliche qualitative Wachstum in den entwickelten Märkten nährt sich aus dem Kunststoffeinsatz in neuen Anwendungen und aus der Substitution anderer Werkstoffe wie Glas und Metall in bekannten Anwendungen. Die Revolutionen im Werkstoffbereich haben sich im Stillen vollzogen, zum Beispiel im Automobil. Kunststoffe machen dem Werkstoff Stahl hier inzwischen erhebliche Konkurrenz - in sichtbaren Anwendungen wie dem Stoßfänger, aber auch unter der Motorhaube, etwa bei den Ansaugrohren. Auch bei Verpackungen hat sich Vieles zu Gunsten der Kunststoffe getan: Mineralwasserflaschen aus Glas mag heute kaum noch jemand nach Hause tragen. Stattdessen kaufen die Menschen leichte Kunststoffflaschen aus PET.
Weltweiter Verbrauch von Kunststoffen und Kautschuk
Weltweit wurden im Jahr 2003 rund 221 Millionen Tonnen Kunststoffe und Kautschuk produziert. Rund 176 Millionen Tonnen davon sind Kunststoff-Werkstoffe, also Materialien, die zu Produkten aus Kunststoff verarbeitet werden. Etwas mehr als 19 Millionen Tonnen Kautschuk werden nach Angaben der International Rubber Study Group (IRSG) zu Reifen und technischen Gummiwaren verarbeitet. Die verbleibende Menge von fast 30 Millionen Tonnen Polymeren wird eingesetzt zur Herstellung von Fasern, Lacken, Klebstoffen, Dispersionen und Beschichtungen. Die Verfahren und Technologien zur Verarbeitung der besagten 176 Millionen Tonnen Kunststoff und 19 Millionen Tonnen Kautschuk stehen im Mittelpunkt der K 2004.
Mit den erwähnten 176 Millionen Tonnen erreichte der globale Verbrauch von Kunststoff-Werkstoffen 2003 eine neue Rekordmarke. In den letzten drei Jahren hat der Verbrauch damit um 26 Millionen Tonnen, das heißt durchschnittlich um 5,5 % pro Jahr zugenommen - exakt so viel, wie im Durchschnitt aller Jahre seit 1990.
Bereits seit einigen Jahren ist der asiatische Kontinent der größte Kunststoffverbraucher der Welt. Im Jahr 2003 entfielen auf die asiatischen Länder ohne Japan 32 % und auf Japan 6 % des Weltverbrauchs. Sie haben damit Amerika - mit 25 % für Nord- und 5,5 % für Lateinamerika - und Europa - mit 22 % für West- und 3,5 % für Osteuropa - deutlich hinter sich gelassen.
Im Jahr 2003 wurden 19,3 Millionen Tonnen Natur- und Synthesekautschuk verarbeitet, das waren 5,3 % mehr als 2002. Auch im Kautschukmarkt hat sich China an die Spitze gesetzt. Das Reich der Mitte avancierte 2002 zum größten Kautschukverbraucher der Welt und baute diese Position 2003 mit 3,64 Millionen Tonnen (plus 19 %) weiter aus. Die USA (mit 3 Millionen Tonnen), Japan (1,9 Millionen Tonnen), Indien (920.000 Tonnen) und Deutschland (866.000 Tonnen) folgen auf den Plätzen zwei bis fünf.
Europa: Verbrauch von Kunststoffen
Europa - das ist ein Markt für fast 50 Millionen Tonnen Kunststoff und Kautschuk pro Jahr. Rund 43 Millionen Tonnen werden in Westeuropa, rund 7 Millionen Tonnen in Osteuropa verbraucht. Größter Kunststoffverbraucher Westeuropas ist (auf Basis von Zahlen aus 2002) Deutschland mit 30 % Anteil, gefolgt von Italien (18,7 %), Frankreich (11,9 %), Großbritannien (10,7 %) und Spanien (8,9 %).
In Westeuropa entfielen 2003 allein 31 Millionen Tonnen (entspre-chend 72 %) auf Standardkunststoffe, sofern wir die inzwischen etablierten Werkstoffe Flaschen-PET und Styrol-Copolymere zu den Standardtypen rechnen. Technische Kunststoffe und Polyurethane stehen für je 2,5 Millionen Tonnen, andere Duromere für knapp 4 Millionen Tonnen sowie Natur- und Synthesekautschuk für 3,5 Millionen Tonnen Absatzmenge.
In Deutschland stieg der Verbrauch von Standardkunststoffen im Jahr 2003 auf 6,99 Millionen Tonnen , das waren 2,9 % mehr als im Vorjahr. Bei den technischen Kunststoffen betrug der Anstieg sogar 3,9 % gegenüber 2002 auf nunmehr 985.000 t. Das größte Einsatzgebiet für Kunststoffe ist in Deutschland der Verpackungsbereich, 29,5 % des Gesamtvolumens wurden hier verarbeitet. Der Bausektor folgte mit 24,5 %, die Fahrzeugindustrie mit 9 %.
Auch bei den Verbrauchszahlen für Westeuropa stand die Verpackungsproduktion 2003 mit 37,2 % an der Spitze. Zweitgrößter Endabnehmer waren nach Angaben des Erzeugerverbands Plastics Europe die Hersteller von Haushaltswaren, Haushaltsgeräten und Konsumwaren, die zusammen 20,1 % des Verbrauchs stellten. Das Bauwesen (17,6 %) war der drittgrößte Kunststoffverbraucher, gefolgt von Elektrotechnik und Elektronik (8,5 %) sowie der Automobilindustrie (8 %).
Kunststofferzeugung:
Prozessoptimierungen stehen im Vordergrund
Seit der letzten K hat Asien auch in der Produktionsstatistik für Kunststoffe die Führungsrolle übernommen. Mit 27 % Anteil der asiatischen Länder (ohne Japan) und 7 % Anteil Japans stellt Asien insgesamt 34 % der Weltproduktion an Kunststoffen. Europa ist trotz eines leichten Wachstums mit insgesamt 31 % der Weltproduktion auf den zweiten Rang zurückgefallen.
Immer wieder werden neue Engagements lokaler aber auch japanischer, amerikanischer und europäischer Investoren aus der Chemie- und Kunststoffindustrie in Südostasien bekannt - ein Beleg für den breiten Konsens in der Welt über die guten Aussichten in der Region.
Trotz eines gewaltigen Kapazitätsaufbaus vor allem für Standardkunststoffe und Polyurethan-Vorprodukte in China ist eine Trendwende zur Selbstversorgung der bevölkerungsreichsten Volkswirtschaft der Welt nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Der aktuelle Bericht des Marktforschungsunternehmens Phillip Townsend Associates (PTAI), für Polyolefine prognostiziert eher noch ein Ansteigen des Importvolumens.
Die Importsituation im Reich der Mitte ist daher für Standardkunststoffe eine wichtige Größe im Preisbildungsmechanismus. "Hongkong-Preis plus Delta-Kosten" - so beschreiben heute die Rohstofferzeuger die weltweite Preisbildung bei Standardkunststoffen. Lediglich die Kalkulation von Logistikkosten, Zöllen u. ä. bestimme die Preisdifferenz in den übrigen Märkten der Welt.
Zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit reagieren die Kunststofferzeuger weiterhin mit großen Anstrengungen in Richtung Rationalisierung, Neugestaltung von Vertriebswegen, Umstrukturierungen, Fusionen und Akquisitionen. Die Konzentration auf wenige Kunststofferzeuger weltweit nimmt zu.
Um global einheitliche Standards bei den Produktqualitäten zu erreichen und zugleich wettbewerbsfähig zu produzieren, versuchen die Erzeuger, mit dem Einsatz modernster Prozesstechnologie in Large- bzw. World-Scale-Anlagen eine optimale Kostenpositionen zu erreichen. Auch bei den Entwicklungsaktivitäten der Erzeuger stehen die verfahrenstechnischen Verbesserungen sowie die Katalysatorforschung im Mittelpunkt, während die originäre Polymerforschung an Bedeutung verloren hat.
Trotz aktueller Stagnation bei den Konzentrationsvorgängen bleibe der Konsolidierungsdruck auf globaler Ebene vor allem bei Standardprodukten erhalten, erklären die Rohstofferzeuger. Wenngleich z.B. in Europa ein relativ konzentrierter Anbietermarkt anzutreffen ist - bei den Standardkunststoffen teilen sich die jeweils fünf größten Hersteller zwischen 70 und 90 % des Marktes - besitzt kaum ein Produzent einen zweistelligen Weltmarktanteil, was das Potenzial für eine transkontinentale Konzentration verdeutlicht.
So vereinen im Polyolefin-Geschäft Basell 9 %, Dow 8,5 %, Exxon Mobil 8 %, BP Solvay 6,5 %, Sinopec 5 % und Sabic 4,5 % des 107-Millionen-Tonnen-Marktes auf sich. Im Polystyrol-Geschäft (Weltmarktvolumen: 18 Millionen Tonnen) führt die BASF mit 11 % Weltmarktan-teil, gefolgt von Dow (10,5 %), Nova (9,5 %) und Atofina (6 %). Bei Polyvinylchlorid (37 Millionen Tonnen) führt Shin-Etsu mit 7,5 % das Weltmarkt-Ranking an - knapp vor Formosa Plastics mit 7 % und Oxy Vinyls mit 6,5 %.
Kunststofferzeugung in Deutschland 2003:
Die Produktion überholt die Umsätze
Wie der Verband der Kunststofferzeuger mitteilt, wurden auch in 2003 in Deutschland wieder mehr Kunststoffe produziert als im Jahr zuvor. Die Produktion erhöhte sich um 1,8 % auf 16,8 Millionen Tonnen. Im Zeitraum von nur zehn Jahren stieg damit die Kunststofferzeugung um nahezu 50 % an.
62 %, d.h. 10,5 Millionen Tonnen Kunststoffe, wurden ausgeführt. Damit erhöhte sich die Exportquote um 6,7 % gegenüber 2002. Zwei Drittel der Exporte gingen in Länder der Europäischen Union, immerhin 10,7 %, also über eine Million Tonnen, ging nach Asien.
Allerdings standen dem Produktions- und Exportplus weiter fallende Umsätze gegenüber. Entscheidend für die Kunststofferzeuger sind die Margen, also die Differenz zwischen den Kosten der Einsatzstoffe und dem, was sie für ihre Produkte erlösen. Hier sind die Kunststofferzeuger, die vom Rohöl als Rohstoff abhängig sind, gewaltig unter Druck.
Ein Vergleich der Preise für die wichtigsten Rohstoffe enthüllt die Dramatik der Situation: Kostete Rohbenzin zur Zeit der K 98 noch um 100 Euro pro Tonne und Benzol um 200 Euro, so haben sich die Preise beider Rohstoffe inzwischen mehr als verdreifacht. Die dadurch verursachten Kostenerhöhungen bei der Kunststoffherstellung konnten durch die Preiserhöhungen nicht aufgefangen werden. Sie gingen stattdessen größtenteils zu Lasten der ohnehin knappen Margen.
Im Jahresdurchschnitt 2003 hatten 56.400 Menschen in der Kunststofferzeugung ihren Arbeitsplatz.
Compoundeure und Distributeure:
Mit Dienstleistungen und flächendeckender Präsenz gut aufgestellt
Durch den Konzentrationsprozess bei den großen Rohstofferzeugern hat sich zum einen die Rolle der Compoundeure gewandelt. Als Lieferant von Werkstoffen, zum Beispiel für die Zulieferer der Automobil- und Elektroindustrie, müssen sie weltweit vertreten sein. Als Projektpartner haben sie in diesem Marktsegment nur dann eine Chance, wenn sie auch über die entsprechenden Engineering-Kapazitäten verfügen und Entwicklungsdienstleistungen für den OEM übernehmen können.
Zum anderen streben die großen Kunststofferzeuger mittelfristig eine Fokussierung auf wenige Handelspartner an. Präsenz in ganz Europa, oder zumindest eine herausragende Marktposition in wichtigen Abnehmermärkten - das ist den europäischen Kunststoffherstellern bei der Auswahl ihrer Vertriebspartner besonders wichtig.
Die Kautschukindustrie in Deuschland
Die deutsche Kautschukindustrie weitete im Jahre 2003 ihren Umsatz leicht aus, mit 9,9 Milliarden Euro wurde gegenüber 2002 ein Umsatzplus von 1,5 Prozent erreicht. Diese Veränderungsrate galt sowohl für die Hersteller Technischer Elastomer-Erzeugnisse (TEE) als auch für die Reifenindustrie.
Aufgrund der schwachen Binnennachfrage nahm der Inlandsumsatz lediglich um 0,9 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro zu. Dabei übersprangen die Reifenhersteller mit +1,3 Prozent erstmals die Vier-Milliarden-Euro-Grenze, während die Produzenten von TEE um 0,5 Prozent auf 3,21 Milliarden Euro wuchsen.
Erfreulicher entwickelten sich die Auslandsumsätze der Branche. Aufgrund der deutlichen Belebung der internationalen Nachfrage wurde bei TEE im Jahresverlauf ein Umsatzminus aus den ersten Monaten des Jahres noch in ein Plus von 3,8 Prozent gewandelt und belief sich damit auf 1,49 Milliarden Euro. Der Umsatzumsatz an Bereifungen wurde um 2,2 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro erhöht.
Die Notwendigkeit, über Produktionsverlagerungen an kostengünstigere Standorte nachzudenken, ist auch in der Kautschukindustrie ständig präsent. Ihre im internationalen Vergleich unbestrittene technologische Spitzenstellung verdankt die deutsche Kautschukindustrie aber der kontinuierlichen qualitativen Verbesserung ihrer Produkte, der Entwicklung neuer intelligenter Lösungen und der intensiven Forschung auf bestehenden und neuen Gebieten.
Nur über das Potenzial des technologischen Know-How-Vorsprungs können sich die Unternehmen der deutschen Kautschukindustrie im Wettbewerb mit Anbietern aus Niedriglohnländern behaupten. Die deutschen Unternehmen wissen um diesen Vorteil. Sie sind sich aber auch der Tatsache bewusst, dass die wirtschaftliche Existenz vieler Unternehmen gefährdet ist, wenn dieser Wissensvorsprung nicht beibehalten wird.
Aus diesem Grund wurden die Investitionen in Forschung und Entwicklung auch in rezessiven Konjunkturphasen nicht zurückgenommen. Im Jahr 2003 investierte die Branche abermals mehr als 200 Millionen Euro in die Entwicklung und Verbesserung ihrer Produkte und Produktionsprozesse.
Die deutsche Kautschukindustrie in ihrer Gesamtheit steigerte nach Angaben des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie im elften Jahr hintereinander ihren Umsatz. Zum Jahresende 2003 zählte die Branche 74.486 Arbeitnehmer, 0,4 Prozent weniger als 2002.
Kunststoffmaschinenbau: Deutschland steht weiter an der Spitze
Die Weltproduktion von Maschinen zur Be- und Verarbeitung von Kunststoff und Gummi erlebte im Jahr 2000 ihr All-time-high. Der Produktionswert dieser Maschinen (ohne Peripherietechnik und Werkzeuge) erreichte das Volumen von 19,5 Milliarden EUR. Dem Rekordjahr schloss sich ein starker Rückgang um mehr als 12 % auf 17,1 Milliarden EUR an, der auch 2002 und 2003 mit 17,6 und 17,7 Milliarden EUR nur geringfügig übertroffen wurde. Zuwächsen in Deutschland, Italien und Japan standen 2003 Rückgänge z.B. in Frankreich, den USA und Brasilien gegenüber.
Mit einem Weltmarktanteil von 24,7 % (plus 1,1 %punkte gegenüber 2002) führen die deutschen Hersteller 2003 das Ranking der Nationen im Kunststoff- und Gummimaschinenbau (auf Euro-Basis) an. Die italienischen Maschinenbauer verbesserten sich um einen halben Prozentpunkt auf 14,0 % und hielten Platz 2. Die USA gaben 2003 bei ihren Marktanteilen zwei Prozentpunkte ab und verloren ihren Platz 3 an die japanische Konkurrenz, die bei der Produktion auf Yen-Basis um 32 % zulegte und auf Euro-Basis 10,3 % Marktanteil erreichte.
In Deutschland wuchs der Gesamtwert der Ausrüstungslieferungen für die Kunststoff- und Gummiindustrie (Kernmaschinenbau, Werkzeuge und Formen, Rohstoff- und Werkstückhandling sowie Flexodruckmaschinen für Folien) 2003 um 3 % auf 6,921 Milliarden EUR, berichtet der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. Der Auftragseingang im Kernmaschinenbau konnte die Verluste der beiden Vorjahre nahezu ausgleichen und schloss mit einem Plus von 13 % deutlich über dem Vorjahresergebnis ab. Der Produktionswert stieg um 4,3 % auf 4,359 Milliarden EUR. Der Auftragsbestand war mit 4,6 Produktionsmonaten nahezu unverändert und die Kapazitätsauslastung mit 87 % weiterhin im Bereich der Normalauslastung.
Bei den deutschen Kunststoff- und Gummimaschinenbauern arbeiteten im Jahre 2003 rund 47.600 Menschen. Damit blieb die Mitarbeiterzahlen in den Betrieben weitestgehend konstant.
Zwei Drittel der 17,7 Milliarden EUR umfassenden Weltproduktion an Kunststoff- und Gummimaschinen wurden zuletzt aus den jeweiligen Herstellernationen exportiert. Deutschland ist nicht nur der größte Produzent, sondern mit 3,25 Milliarden EUR Ausfuhrwert auch der mit Abstand größte Exporteur von Kunststoff- und Gummimaschinen. Zu den führenden Exporteuren zählen weiter Japan (1,99 Milliarden EUR), Italien (1,41 Milliarden EUR), Österreich (860 Millionen Euro), die USA (762 Millionen EUR), Frankreich (726 Millionen EUR), Taiwan (675 Millionen EUR), Kanada (634 Millionen EUR), die Schweiz (532 Millionen EUR), Südkorea (281 Millionen EUR) und China (250 Millionen EUR).
Die Märkte für Kunststoff- und Gummimaschinen spiegeln die Entwicklung in einzelnen Ländern eindrucksvoll wieder. So war China (inkl. Hongkong) in 2003 der weltweit größte Importeur von Kunststoff- und Gummimaschinen. Mit 2,2 Milliarden EUR gingen allein knapp 18 % des weltweiten Liefervolumens von 12,7 Milliarden EUR ins Reich der Mitte. Die USA mit 1,52 Milliarden EUR und Deutschland (682 Millionen EUR) liegen auf den Plätzen 2 und 3, gefolgt von Frankreich (443 Millionen EUR), Taiwan (397 Millionen EUR), Großbritannien (387 Mil-lionen EUR), Mexiko (378 Millionen EUR), Spanien (362 Millionen EUR), Italien (298 Millionen EUR), Russland (278 Millionen EUR), Kanada (267 Millionen EUR) und Südkorea (230 Millionen EUR).
Die deutschen Maschinenhersteller halten die größten Anteile am Weltexport in Europa, Amerika, Afrika und Australien. In Asien insgesamt geben weiterhin die japanischen Wettbewerber den Ton an. Ihre Spitzenstellung beruht auf der Vorherrschaft in Fernost, doch konnte auch dort der deutsche Lieferanteil erneut leicht ausgebaut werden; eingebüßt haben dafür noch einmal die italienischen und US-amerikanischen Wettbewerber. Im Nahen und Mittleren Osten sowie in Südasien hat der deutsche Kunststoff- und Gummimaschinenbau deutlich die Nase vorn. In Mittelamerika stehen die USA an der Spitze, gefolgt von Deutschland, in Südamerika haben die deutschen Hersteller die traditionell an der Spitze stehenden Italiener abgelöst.
Während die Kunststofferzeuger bereits zahlreiche Fusionen vollzogen haben, sind durchgreifende Konzentrationsbewegungen im Kunststoffmaschinenbau bislang nicht zu erkennen. Dennoch haben einige Unternehmen Portfoliobereinigungen vorgenommen, Kerngeschäfte definiert oder durch Joint Ventures und Produktionsstandorte ihre Präsenz in wichtigen Absatzmärkten verstärkt. So veranlasst das anhaltende Wachstum in China und den meisten südostasiatischen Ländern immer mehr europäische Maschinenbauer zu einer besseren vertrieblichen Präsenz vor Ort. Ob Systemhäuser, Technologie-Center, Kundenbüros oder Service-Stationen - die Liste der gestarteten Vertriebsaktivitäten ist lang.
Im hohen Qualitäts- und Leistungsbereich profitieren die europäischen Maschinenhersteller vor allem von ihrer konstruktiven Solidität und der breiten verfahrenstechnischen Kompetenz. Auch in Emerging Markets geht an europäischen Maschinen oft kein Weg vorbei, wenn absolute Produktionssicherheit und höchste Qualität verlangt sind.
Dass sich die deutschen Maschinenbauer auch im laufenden Jahr erfolgreich behaupten werden, davon geht man beim Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen aus. Er rechnet damit, dass der Produktionswert im laufenden Jahr ein Plus von 6 % erreichen kann. Die Entwicklung des Auftragseingangs in den ersten Monaten lässt für das Gesamtjahr einen Bestellzuwachs zwischen 8 und 10 % erwarten.
Kunststoffverarbeitung:
Erhöhter Konkurrenzdruck und Verlagerungen
Die Internationalisierung ihrer Aktivitäten steht für viele Kunststoffverarbeiter weit oben auf der To-do-Liste. Global vertretene Endabnehmer wollen Lieferanten, die weltweit präsent und damit in der Lage sind, das gleiche Produkt mit demselben Qualitätsstandard an einem beliebigen Standort zu liefern. Weltweit verteilte Produktionsstandorte der großen Hersteller von Fahrzeugen, Elektronikartikeln, Telekommunikationsgeräten, Versorgungs- und Entsorgungs-Infrastruktur sowie Packmitteln und Konsumgütern zwingen die Kunststoffverarbeiter dazu, in großen Auslandsmärkten Produktionsstätten zu errichten und die Kunden dort lokal zu versorgen. Als Reaktion auf die Globalisieungstendenzen und den Kostendruck hat sich die Konzentration der Kunststoffverarbeiter zum Beispiel in der Automobilzulieferindustrie und in der Packmittelproduktion in den letzten Jahren fortgesetzt.
Der Trend, dass sich westliche Unternehmen aus so genannten Hochlohnländern einen zusätzlichen Standort in einem Niedriglohnland als verlängerte Werkbank oder Sublieferant schaffen, ist seit langem zu sehen. Dabei kommt der Produktionsaufbau nicht mehr nur aus den USA in Mexiko oder aus Deutschland in Tschechien oder Ungarn vor. Immer öfter stehen sogar komplette Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer an, die schwer wiegende Folgen für einzelne Volkswirtschaften haben können.
Aus Sicht der westeuropäischen Kunststoffverarbeiter birgt die Öffnung der Märkte in Osteuropa und die Aufnahme von zehn neuen Ländern in die Europäische Union gleichermaßen Chancen und Risiken. Es wird für die westeuropäischen Produzenten leichter werden, Hightech-Produkte in den aufstrebenden Märkten Osteuropas abzusetzen. Andererseits sind die westlichen und vor allem der deutsche Markt für den Wettbewerb aus Niedriglohnländern einfacher erreichbar.
Parallel zu dieser Entwicklung wächst das technologische Niveau der asiatischen und osteuropäischen Verarbeiter und ihrer Sublieferanten weiter. Die europäischen Kunststoffverarbeiter sind daher gezwungen, ihren Know-how-Vorsprung durch Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsanstrengungen sowie Investitionen in wirtschaftlichste Fertigungstechnik zu erhalten, um Standort zumindest für die Produktion der anspruchsvollsten Baugruppen zu bleiben.
Deutsche Kunststoffverarbeiter legten 2003 um 3,6 % zu
Die deutsche Kunststoff verarbeitende Industrie behauptet sich in diesem Umfeld gut, sie hat das Jahr 2003 mit einem deutlichen Umsatzplus von 3,6 % abgeschlossen und erreichte 42,2 Milliarden EUR. Durch den Rückgang des Preisindex für Kunststoffwaren um 0,3 % errechnet sich für 2003 eine Steigerung in realen Preisen um 3,9 %, wie der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) mitteilt.
Nach zwei Jahren mit Rückgängen im Inlandsgeschäft legte die Kunststoffverarbeitung in ihrem Heimatmarkt 2003 wieder um 2,4 % zu. Die bereits in den letzten Jahren stark gewachsenen Auslandserlöse stiegen auch in 2003 um 6,1 % und hoben damit die Exportquote um einen Punkt auf 33 % an.
Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Branche knapp 282.250 Personen, das sind gut 4.000 oder 1,6 % mehr als im Vorjahr. Die Zahl der statistisch erfassten Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern hat in 2003 um 2,1 % auf jetzt 2.804 zugenommen. Die Produktivität der Betriebe, berechnet als Umsatz pro Beschäftigtem, hat im vergangenen Jahr um 2,0 % auf 149.350 EUR zugenommen.
Ausblick: 5,1 % Wachstum pro Jahr bis 2010
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffen ist in Westeuropa über die letzten 30 Jahre mit 4,4 % pro Jahr mehr als doppelt so schnell gewachsen wie das Bruttosozialprodukt, das nur um 1,8 % pro Jahr zulegen konnte. Global betrachtet wuchs der Verbrauch in den Industrie-ländern im Mittel etwa 2,2 Mal, in den Schwellenländern etwa 3 Mal und in Entwicklungsländern oft mehr als 3 bis 4 Mal schneller als die volkswirtschaftliche Gesamtleistung.
Eine bis 2010 reichende Prognose der BASF prognostiziert ein Anwachsen des durchschnittlichen globalen Pro-Kopf-Verbrauchs an Kunststoff-Werkstoffen von 28 kg in 2003 auf 37 kg in 2010. Dabei zeigt Osteuropa mit durchschnittlich 7 % Plus pro Jahr (auf 24 kg in 2010) das größte prozentuale Wachstum, gefolgt von Südostasien mit 6 % (auf 25 kg) und Lateinamerika mit 4 % (auf 28 kg). Die entwickelten Märkte legen auf erheblich höherem Niveau mit geringeren Wachstumsraten zwischen 3 und 3,5 % zu. So sollen die Nordamerikaner bis 2010 rund 133 kg (2003: 104 kg), die Westeuropäer 125,5 kg (99 kg) und die Japaner 105 kg (85 kg) Kunststoff-Werkstoffe verbrauchen.
Damit prognostiziert die BASF den Kunststoff-Werkstoffen für die Jah-re bis 2010 eine mittlere Wachstumsrate von 5,1 %. Die globale Gesamtnachfrage nach Kunststoff-Werkstoffen wird demnach bis zum Jahr 2010 auf 250 Millionen Tonnen jährlich ansteigen. Dann werden die Märkte Asiens wegen ihres überdurchschnittlichen Wachstums um 6,5 % pro Jahr 41,5 % des Weltverbrauchs stellen, Nordamerika und Europa wegen ihres unterdurchschnittlichen Wachstums von 4,5 % bzw. 4 % nur noch je knapp ein Viertel. Die aktuelle Investitionstätigkeit der Kunststoffbranche trägt diesen Prognosen bereits heute Rechnung. Über viele Jahre werden hohe finanzielle und technische Anstrengungen nötig sein, um ausreichende Ressourcen in der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen.
Die Studie sagt Polyethylen ein durchschnittliches Wachstum von gut 5 % und Polypropylen von 6 % voraus. Polystyrol und EPS sollen um 4,4 % und PVC um 4,2 % pro Jahr zulegen. Unter den technischen Kunststoffen werden demnach ABS, ASA und SAN ein Mengenwachstum von 6 % erreichen, während die Polyamide um 6,5 %, Polycarbonat um 8 % pro Jahr und PET um 10 % zulegen werden. Der Verbrauch der vielseitigen Polyurethane nimmt der Prognose zufolge bis 2010 um 5,5 % jährlich zu.
Auswirkungen der hohen Rohstoff- und Energiepreise
Grundsätzlich also gute Aussichten für die Kunststoff- und Kautschukindustrie. Allerdings plagen uns wenige Tage vor Beginn unserer wichtigsten Messe auch Sorgen. Eine davon: die hohen Rohstoff- und Energiepreise. In der Kunststoffverarbeitung machen die Materialkosten meist zwischen 50 und 80%, in Einzelfällen sogar mehr als 90% der Stückkosten aus. Die Steigerungen der Materialpreise infolge des hohen Ölpreises und der starken Rohstoffnachfrage aus China schlagen natürlich deutlich durch: Sie erhöhen die Einkaufspreise der Verarbeiter und drücken ihre Erträge.
Die Entwicklung des Ölpreises hat zum einen Einfluss auf die Entwicklung der Rohstoffpreise, zum anderen auf die Energiekosten. Energie, die durch den hohen Rohölpreis ebenfalls deutlich teurer geworden ist, spielt bei den Kosten eine kleinere Rolle als die Materialpreise.
Neben Rohöl und Energie ist auch der Stahlmarkt von einer starken Nachfrage bei begrenzten Kapazitäten gezeichnet. Die starke Nachfrage aus Asien und vor allem China hat in den letzten Monaten auch bei den Stahlpreisen zu massiven Preiserhöhungen geführt. Diese haben vor allem den Maschinenbau getroffen.
Hohe Rohstoffpreise zwingen die Verarbeitenden Industrien, intensiv über Möglichkeiten der Rohstoff- und Energieeinsparung nachzudenken. Der deutsche Kunststoff- und Gummimaschinenbau bietet hierfür auf Basis modernster Verarbeitungstechnologien immer wieder wirtschaftliche Lösungen an.
Auf der K 2004 wird ganz deutlich werden, dass das Innovationspotenzial von Kunststoffen noch lange nicht ausgeschöpft ist. Das ist für die deutsche Industrie eine enorme Chance, auch in Zukunft eine herausragende Rolle im internationalen Wettbewerb zu spielen. Um diese Chance wahrzunehmen, müssen Erzeuger, Maschinenbauer und Verarbeiter einerseits ihre internationalen Standorte weiter ausbauen, um in den Abnehmermärkten präsent zu sein. Andererseits benötigen sie aber auch an ihrem Heimatstandort Deutschland die entsprechenden Rahmenbedingungen. Die Politik sollte das Ziel vorgeben, über den Weg die Industrie entscheiden lassen. Wenn wir in Deutschland auch in Zukunft technischen Fortschritt und Innovation wollen, dann brauchen wir eine Politik, die dies zumindest zulässt, besser noch konsequent fördert. Dazu kommt unsere Forderung nach bildungspolitischen Maßnahmen, die qualifizierten Nachwuchs für technische Berufe sichern. Hier leistet die Industrie schon zahlreiche eigene Beiträge, z.B. auch im Umfeld der K 2004, zu der die VDI-Gesellschaft Kunststofftechnik ein Schülerforum veranstaltet. Vorgestellt werden die Berufe der Kunststoffbranche - eine notwendige und sinnvolle Initiative angesichts der Tatsache, dass allein in der Kunststoffverarbeitung zum heutigen Zeitpunkt noch rund 1.100 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten.
Eine Messe wie die K-Düsseldorf trägt maßgeblich dazu bei, Deutschland als Standort für die Kunststoff- und Kautschuk-Industrie weiter zu stärken. Nur hier findet alle drei Jahre der einzige globale Marktplatz und wirkliche Innovationstermin der Branche statt. Diese herausragende Rolle der K ist uns, der deutschen Kunststoff- und Kautschuk-Industrie, Verpflichtung und Motivation, unsere Vorreiterrolle, im unmittelbaren Vergleich mit dem Wettbewerb, zu demonstrieren. Und wir werden mit einer Fülle von Innovationen deutlich machen, dass diese Branche für die Zukunft gerüstet ist!
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