Mischen & Agglomerieren
Bruchempfindlicher Schüttgüter
zum Hochschulkursus „Pulverförmige Formulierungen“
am 26. - 28.02.2003 in Karlsruhe
von Herrn Dipl.-Ing. Horst Telschig
PRINZIP DES FREIFALLMISCHSYSTEMS
 
- Chargenweise – Produktion und
- Kontinuierliche – Produktion möglich.
Was ist ein Freifallmischprozess und wie funktioniert er?
- Behälter unterschiedlicher geometrischer Form und Dimension rotieren langsam und gleichförmig um eine horizontale Achse. Das Nutzvolumen beträgt max. 45% des Gesamtvolumens eines Mischbehälters.
- Durch die Drehbewegung der Mischapparatur und eingebaute Mitnehmerschaufeln wird der Feststoff nach oben getragen. Ab einem bestimmten Drehwinkel fällt der Feststoff durch Schwerkraft nach unten und erzeugte einen Staubvorhang.
- Im Inneren des Mischbehälters entsteht ein Feststoffvorhang, in welchen Flüssigkeiten über Einstoff- bzw. Mehrstoffdüsen eingesprüht werden können.
- Keine zwangsläufigen Mischbewegungen durch mechanisch bewegte Werkzeuge, dadurch sanfte Bewegungen der Feststoffteilchen.
- Freifallmischer können als Chargen- oder Kontisystem konzipiert sein.
Welche Anforderungen werden an Freifallmischprozesse zur Mischung und Agglomeration bruchempfindlicher Schüttgüter gestellt?
- Keine Negativbeeinflussung von Schüttgewichten
- Vermeidung von Abrieb und Staubbildung
- Schonende Produktbehandlung bereits bei Zuführung der einzelnen Komponenten/ Rohstoffe, der Durchführung des eigentlichen Misch- und Agglomerationsprozesses und der Entleerung der Apparatur.
- Schaffung optimaler Prozessverhältnisse und flexible Anpassung an spezifische Anforderungen im Hinblick auf wechselnde Einsatzparameter und gewünschte Mischproduktbeschaffenheit.
- Chargenweise oder kontinuierlicher Mischprozess in Abhängigkeit der Aufgabenstellung.
- Reproduzierbarer Betrieb mit konstanter Produktqualität
- Vermeidung der Nachbehandlung der Mischungen durch z.B. Klassierung, Zerkleinerung, Trocknung, Kühlung etc. durch Optimierung der Prozessparameter
- Durchführung verschiedener Funktionsaufgaben in nur einer Apparatur nach Vorgaben
- Integration von Feststoff und Flüssigkeit in einem komplexen homogenen Gesamtsystem
- Einsprühung auch hochviskoser Medien möglich
Schema – Chargen Produktionsprozess

Schema – Kontinuierlicher Produktionsprozess

Folgende Grundfunktionen sind möglich:
- Mischen unterschiedlicher Feststoff-Komponenten (fest - fest)
- Homogenisieren gleichartiger Feststoffe aus z. B. einer vorgeschalteten Chargenproduktion (fest - fest)
- Befeuchten (fest - flüssig)
- Staubbindung (fest – flüssig)
- Coaten (fest – flüssig)
- Agglomerieren (fest – flüssig)
- Einfärben (fest – fest oder fest – flüssig)
- Beschichten (fest – flüssig)
- Neutralisieren (fest – flüssig)
- Hydratisieren (fest – flüssig)
- Kombination einzelner Funktionsaufgaben innerhalb eines Prozessablaufs nach individuellen Vorgaben.
Besondere Vorteile:
- Einsatz für bruchempfindliche, sensitive und abriebsgefährdete Feststoffe
- Homogene Endmischung
- Homogene Flüssigkeitsverteilung durch gleichmäßig dosierte Zuführung und Benetzung
- Gute Fließ- und Rieselfähigkeit des Sprühmischprodukts
- Staubfreies Endprodukt
- Umweltfreundlicher Produktionsablauf, keine unkontrollierten Emissionen
- Gute Produktlöslichkeit bzw. Instanteigenschaften
- Vergleichsweise geringer Energiebedarf de Mischvorgangs
- Reproduzierbarkeit vom Labormaßstab auf Produktionsanlagen
- Reduzierung der Schüttgewichte durch Agglomeration bis 25 %
- Herstellung leichter bis schwerer Endprodukte
- Keine Verschleißteile und damit wartungsarmer störungsfreier Betrieb
Auswahlparameter
a) Chargenbetrieb |
b) Kontinuierlicher Betrieb |
Leistung bis max. 7,2 m³/h
bei 3 Chargen/h |
bis max. 60 m³/h |
Produktion kleinerer bis mittlerer
Mengen mit wechselnden
Rezepturen |
Produktion großer, konstanter
Mengen über längeren Zeitraum |
Umstellung auf andere
Rezepturen relativ einfach |
Umstellung auf andere
Rezepturen aufwendig |
Verhältnismäßig geringer
Investitionsaufwand |
Höherer Investitionsaufwand
durch kontinuierliche Dosierung
der Feststoff- und Flüssigkomponenten |
Einfache Funktionskontrolle und
Überwachung der Produktion |
Alle pulverförmigen und flüssigen
Rohstoffe
sind durch geeignete
Dosieranlagen
aufzugeben und
der Prozess durch
automatische
Steuerung und Regelung zu überwachen |
Zeit- und Funktionsablauf einer Produktionscharge
Sprühmischen
Funktionsablauf |
Zeitbedarf/Charge (Beispiel) |
| Befüllen: |
ca. 3 Minuten |
| Vormischen: |
ca. 2 Minuten |
| Sprühen: |
ca. 10 Minuten
(vom Flüssigkeitsanteil abhängig) |
| Nachmischen: |
ca. 2 Minuten |
| Entleeren: |
ca. 3 Minuten |
| Chargenzeit: |
ca. 20 Minuten |
| Chargenzahl: |
Max. 3 Chargen/h mit Sprühen
ca. 6 Chargen/h ohne Sprühen |

Beispiel – Chargen- Produktionsanlage
 
Einsatzbeispiele
- Einfärbung von Bentonit
- Besprühung von Stärke
- Einfärbung von Chemiegranulaten
- Neutralisation von Natriumkarbonat mit Säuren
- Herstellung von Reinigungsmitteln
- Herstellung von Backmischungen durch Einsprühung
von Fetten
- Mischung und Homogenisierung von Tee
- Besprühung von Talkum mit Parfüm
- Hydratisierung von z.B. NTPP
- Besprühung von Trägersubstanzen mit
hochviskosem Silikon
- Aufsprühung von Aromastoffen auf Trägersubstanzen
- Staubbindung bei Düngemitteln
- Einsprühen von Ölen auf Farbstoffe zur Herstellung von Straßenmarkierungsfarben
- Herstellung von Waschmitteln
Praktisches Umsetzungsmodell
(von der Idee zur Produktion)
- Klärung der konkreten Aufgabenstellung
- Bewertung der Feststoffkomponenten, Flüssigkomponenten und Endproduktmuster
- Durchführung eines Grundsatzversuch im Labormaßstab
(Chargenmischer).
- Analyse des Grundsatzversuchs und Bewertung
- Eventuell 2. Versuch in kontinuierlicher Pilotanlage
- Projektierung und Angebot der konkreten Problemlösung
- Auftragserteilung, Lieferung, Montage, Inbetriebnahme
- Produktion der gelieferten Anlage
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